Bioenergie ist etablierte Sparte im Erzeugungsportfolio vieler Europäischer Strommärkte und wird in einigen Ländern auch durch Förderregime unterstützt. Da Bioenergieanlagen im Stromsystem technologisch wie fossile Kraftwerkstypen verhalten können, stellte sich die Frage ob flexible Bioenergieanlagen dann auch einen Einfluss auf die Preisbildung und damit Effekte auf die Großhandelspreise haben können.

In Ländern mit Förderung für Bioenergieanlagen im Stromsektor (wie z.B. über das EEG in Deutschland) nutzen zwar erneuerbare Brennstoffe müssen sich aber auf Grund der Förderung nicht wie fossile Kraftwerke grenzkostenbasiert am Strommarkt positionieren und können aber trotzdem einen Einfluss auf die Merit-Order haben.

Image to illustrate the merit-order priciple.
Abbildung aus der Kurzstudie zur prinzipiellen Darstellung des Merit-Order-Prinzps und des Einflusses flexibler Bioenergie auf die Kraftwerkseinsatzreihenfolge.

Um die Frage zu beantworten welchen Einfluss flexible Bioenergieanlagen auf den Strommarkt haben können, wurde auf Basis einer empirischen Methodik zur Bewertung der systemischen Effekte auf die Treibhausgasemissionen im Deutschen Strommarkt (Dotzauer et.al. 2022) ein stark vereinfachtes Strommarktmodell parametrisiert und für zwei Szenarien angewendet.

Empirische Preisreaktionskurven für ausgewählte Kraftwerkstypen in Deutschland, Datenbasis 2023

Als Referenz wurde zuerst der Status Quo, also die aktuelle Einspeisezeitreihe, für flexible Bioenergieanlagen in den Ländern Österreich, Finnland und Deutschland dazu genutzt das Modell zu evaluieren. Um den Wert der historischen flexiblen Fahrweise ermitteln zu können, wurde anschließend die im Untersuchungszeitraum erzeugte Strommenge auf ein Grundlastprofil verteilt und das Modell erneut angewendet. Die aus beiden Modellläufen erzeugten Preiszeitreihen konnten anschließend direkt verglichen werden.

Modellierungsergebnisse für das Referenzszenario (links) mit unflexbiler Bioenergie und dem historischen flexiblen Einsatzprofil (rechts) und den resultierenden Effekten, für 2023

Die ermittelte mengengewichtete Preisdifferenz zwischen beiden Szenarien beträgt zwar nur 0,58 €/MWh, allerdings ergeben sich daraus Einspareffekte von insgesamt 266 Mio € als Kosumentenrente für die Strombeschaffung. Auch für die Berechnung der Einsparungen wurde stundenscharf die jeweilige Preisdifferenz mit dem Strombedarf gewichtet. Auch wenn das Modell sehr stark vereinfacht ist und die Marktkoppellung zu den mit Deutschland im Austausch stehenden Europäischen Gebotszonen der Nachbarländer nicht berücksichtigt ist, demonstriert der Ansatz das selbst die 2023 noch vergleichsweise unflexible Fahrweise des Deutschen Bioenergieanlagenportfolios einen signifikanten Beitrag zur Preisdämpfung leisten kann.

Der vollständige Bericht der Kurzstudie ist auf der Seite der IEA Bioenergy Task 44 verfügbar: Value of Flexible Bioenergy – Report assessing electricity markets